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Luise Henriette Prinzessin von Preußen und Generalleutnant  a. D.  Wilhelm  Schmalz

 

Seit 1960 lebte in Laimbach zurückgezogen das Ehepaar Wilhelm und Henriette Schmalz. Bis zu ihrem Tode verbrachten beide in unserem kleinen Ort ihren Lebensabend. Auf dem Laimbacher Friedhof haben sie nebeneinander ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Generalleutnant Wilhelm Schmalz (*01.03.1901 bis + 15.03.1983) war eine Persönlichkeit mit bemerkenswertem Lebenslauf. Seine militärische Laufbahn begann 1914 mit dem Eintritt in das Kadettenkorps. Nach Teilnahme an Grenzschutzkämpfen in Oberschlesien (1919) trat er in das Reiterregiment 15 der Reichswehr ein, in dem er 1923 Leutnant wurde. Seine außergewöhnliche Begabung für den Reitsport brachte ihn von 1926 bis 1928 in die deutsche Olympia-Auswahlmannschaft. Daneben nahm er siegreich an Turnieren in der Schweiz, Holland, England, Italien, Ungarn und den USA teil. Im Zuge der Umrüstung (1935) auf Motorradschützen und Kavallerieschützen (den späteren Panzergrenadieren) wurde Wilhelm Schmalz in diesen Truppengattungen  Bataillons- und Regimentskommandeur. In diesen Stellungen nahm er an den Feldzügen gegen Polen, Frankreich, auf dem Balkan und in Rußland teil, er wurde dabei mit dem Ritterkreuz  und dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet und wegen Tapferkeit am 01. Oktober 1942 zum Obersten befördert. Am 01. Mai 1943 zur Luftwaffe versetzt, kam Wilhelm Schmalz als Kommandeur einer Brigade nach Süditalien zur Fallschirm - Panzerdivision "Hermann Göring (HG)". Für seine Kämpfe in Sizilien gegen eine erdrückende Übermacht  -  nach dem Abfall der italienischen Bundesgenossen - erhielt er das Eichenlaub zum Ritterkreuz und führte unter Beförderung zum Generalmajor ab 01. Mai 1944 diese Division. Nach deren Erweiterung zum Fallschirm-Panzerkorps "HG" übernahm er als Generalleutnant auch dieses Kommando. Er kämpfte bis Kriegsende in Ostpreußen, Schlesien und Sachsen. Dem Kriegsende folgte die Anklage als Kriegsverbrecher mit allen damit verbundenen Demütigungen, bis es 1950 in Rom zum Freispruch in allen Anklagepunkten kam.

Wilhelm Schmalz war mit einer Verwandten des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II verheiratet. Die Eltern von Luise Henriette Prinzessin von Preußen (* 21.07.1912 in Camenz/Schlesien    + 12.10.1973 in Laimbach) waren Friedrich Wilhelm von Preußen und Agathe, Prinzessin von Ratibor und Corvey (siehe Ahnentafel). Anläßlich ihrer Geburt wurden in Berlin 21 Schuß Salut geschossen. Ihre Großmutter, Marianne Prinzessin der Niederlande, erhielt anläßlich ihrer Hochzeit mit Prinz Albrecht von Preußen, von ihrem Vater, Wilhelm I, König der Niederlande, südlich von Breslau große Ländereien geschenkt. Dort ließ Marianne, nach den Plänen des preußischen Baumeisters Schinkel, Schloß Camenz erbauen.

Preußischer Tradition folgend, wurde Prinzessin Luise Henriette von Hauslehrern unterrichtet. Da sie zudem eine englische Erzieherin hatte, sprach sie bis zum frühen Kindesalter besser englisch als deutsch. Nach dem ersten Weltkrieg kaufte ihr Vater in Tabarz/Thüringen zwei Häuser, in die er mit seiner Familie und seinen Bediensteten Anfang der 20er Jahre einzog. Ihr Vater verstarb 1925 im Alter von 45 Jahren.

Ein gemeinsames Hobby, das Reiten, führten Prinzessin Luise Henriette mit dem Rittmeister Schmalz zusammen. Bevor beide heiraten konnten, mußte sie in Doorn/Niederlande Kaiser Wilhelm II um Erlaubnis bitten. Als er ihr die Erlaubnis nicht erteilte, sie aber auf der Heirat bestand, wünschte der Kaiser ihr schließlich viel Glück. Es blieben nach der Hochzeit nur drei unbeschwerte Jahre, bis der Zweite Weltkrieg ausbrach. Danach wurde ihr Leben geprägt durch die Sorge um ihre vier Kinder und um ihren Mann. Als 1945 endlich die Schrecken des Krieges beendet waren, wurden sie von den Russen aus ihrem Haus vertrieben.

Über den Generalleutnant gibt es zahlreiche Veröffentlichungen (auch im Ausland). Wie bekannt und beliebt er noch bei seinen früheren Untergebenen war, wurde am 01. März 1981 deutlich, als sich zu seinem achtzigsten Geburtstag über dreihundert Personen in Laimbach versammelten. Das ganze Leben des Offiziers war nach preußischen Maximen aufgebaut. Er war korrekt und tatkräftig, hat dabei jedoch stets die Fürsorge der ihm anvertrauten Soldaten im Auge behalten. Dies in Verbindung mit seiner sachlichen Art und seiner menschlichen Güte, was ihm zu jeder Zeit die Achtung und Zuneigung seiner Soldaten erbrachte. Wilhelm Schmalz starb im Alter von 82 Jahren am  15. März 1983 und wurde mit großer Ehrenbezeugung der Bundeswehr am Freitag, den 18. März 1983 beigesetzt.

Die "Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes  e.V."  und  Mitglieder der  "Orden vom Militär-Verdienst-Kreuz e.V."  gaben ihm das letzte Geleit. Er wurde mit allen militärischen Ehren bestattet: aufgebahrter Sarg mit Bundesdienstflagge und Stahlhelm, rechts und links vom Sarg je 3 Stabsoffiziere der Bundeswehr, vor dem Sarg als Ordenskissensträger sein Neffe OTL d.R. Prinz Hermann von Hessen, das Musikkorps der Bundeswehr mit Ehrengeleitzug unter Leitung von Oberleutnant Schmidt (Pz.Art.Batl.135) spielte "Ich hatte einen Kameraden", weitere Offiziere der Bundeswehr als Kranzträger, 6 Stabsoffiziere als Totenwache, sowie viele weitere hohe Offiziere der Bundeswehr und andere Ritterkreuzträger. Den Nachruf für seinen ehemaligen Truppenteil sprach General a.D. Lemke und für die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger OTL a.D. Lautz.

Die Kranzniederlegung im Namen des Bundesministers der Verteidigung nahm Generalmajor Hertel vor.

 

Quelle:  WT vom 17.03.1983 Bericht von Horst Scheibert (überarbeitet von Gerd Füllhas) 

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