LAIMBACH IM TAUNUS

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Eine Sage berichtet,...

 

Wie Laimbach entdeckt wurde...

In alten Zeiten hielten sich die Fürsten oft irgendeinen schnurrigen Kauz, zogen ihm ein buntes Kleid an, setzten ihm eine Schellenkappe auf und machten ihn so zum Hofnarren. Der hatte nun den ganzen lieben Tag weiter nichts zu tun als seine Herren, wenn sie Langeweile verspürten, durch einen Witz  zu ergötzen und sie bei guter Laune zu halten. Es hat aber auch manchen Schalk gegeben, der den Hof durch treffliche Einfälle nicht nur zum Lachen zu bringen wußte, sondern auch zum Nachdenken und das ist mehr.

Einen Hofnarren dieser Art hatte der Fürst von Weilburg. Er hieß Lumpri. Seinem Herrn diente er treu ergeben und war stets um ihn. Auch verstand er es, trotz seiner Schellenkappe, ein Roß zu reiten und Waffen zu führen. Ob nun der Fürst zu einer Fehde oder zu einer fröhlichen Jagd ausritt, Lumpri fehlte gewiß nicht. Beim Hauen und Stechen zeigte er sich nicht faul und tat ohne Lärm und Prahlerei oft mehr, als irgendeiner der großen Herren. So ging der Ritt einmal an einem schönen Morgen wieder hinaus in die Tannenwälder. Der Fürst hatte seinen Schreibern in der Kanzlei die Geschäfte überlassen, die sie eigentlich auch sonst fast alleine führten. Er ergötzte sich an der Jagd und kümmerte sich nicht darum, daß unterdessen  in seinem Namen die Bauern geschunden wurden. Die Wälder hallten wider von Horido und Hussasa und als die Sonne hoch am Himmel stand, sammelten sich alle, Fürst und Gefolge, am verabredeten Platz. Nur Lumpri fehlte.

Hatte der Fürst in seinem Jagdfieber den getreuen Narren nicht vermißt, so fehlte er ihm bei der Rast um so mehr. Seine Hofleute schwatzten ihm zu sehr nach dem Munde, darum war ihm der derbe Schalk um so lieber. Er wollte schon die Jäger auf die Suche schicken, da kam Lumpri durch die Büsche gelaufen und rief ganz rot vor Eifer und Freude: "Gevatter, ich habe im Busch ein Dorf entdeckt, ein Dorf das noch keiner kennt !" Der Fürst lachte und seine Hofleute auch. Alle gingen hinter dem Narren her und er führte  sie nach Laimbach. Das war ein armseliger Flecken mitten im Walde, den selbst die Steuerbüttel der Kanzlei vergessen hatten. Als der Fürst die verfallenen Hütten sah, die gar nicht zu der Fröhlichkeit um ihn passen wollten, fühlte er einen Druck in seinem Herzen. Und um sich nach seiner Art mit einem Scherz davon freizumachen, sagte er: "Gevatter, du hast es gefunden, du sollst es auch zu Leben tragen mit allen Zehnten und Abgaben." Da lachten die Hofleute wieder, aber Lumpri verneigte sich tief vor seinem Herrn.

Und der Narr packte in Laimbach zu, still wie es seine Art war. Freilich zog er Zehnten und Abgaben ein, aber gerecht und billig. Er verwandte diese Einkünfte nur für das Dorf. So wurden Wege ausgebaut und Gräben gezogen. Den Bauern schenkte er gutes Zuchtvieh, neues Saatgut und fruchtbare Obstbäume. Die Faulen hatten nichts zu lachen. Ein neues Leben zog in Laimbach ein. Die Häuser wurden frisch gedeckt, die Wände ausgebessert und getüncht. In einer kleinen Hütte, die die Leute " Lumpris Kanzlei " nannten saß der Narr, wenn er für einige Stunden von Weilburg fort konnte. Er lobte die Fleißigen, mahnte die Säumigen, machte neue Pläne und freute sich, wenn sie gelangen.

Drei Jahre waren vergangen, da ritt der Fürst mit Lumpri wieder an einem Maientag nach Laimbach. Der Narr hatte nicht Ruhe gegeben, bis sein Herr ihn einmal begleitete. Als sie aus dem Walde kamen, hielt der Fürst an. Vor ihnen lag das Dorf in neuer Gestalt. Saubere Straßen durchzogen den Ort. Schöne Häuser und blühende Obstbäume gab es zu sehen. Gesundes Vieh graste auf der Weide und grünende Saat stand auf gepflegten Äckern. Der Fürst merkte wohl, was da geschehen war. Er sah beschämt in das Gesicht seines Narren und sagte: " Gevatter, es ist doch gut, daß du Laimbach gefunden hast." Da antwortete der Schalk: " Gevatter, es gibt, so glaube ich, noch mehr Laimbachs. Willst du sie nicht suchen ? " Und der Fürst ließ von dem Tag an die Fehden. Er suchte, wie Lumpri ihm geraten hatte und fand viel mehr Laimbachs, als er geglaubt hätte. Und er handelte nach dem Beispiel seines Narren.

( von Herbert Keiper : Aus fast vergessenen Zeiten - 1982) 

Geschichte