LAIMBACH IM TAUNUS

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Laimbacher Geschichten  ( Teil 2)

( Teil 1)   

Quetschehoink

von Lydia Füllhas

Im Herbst wenn die Zwetschgen reif waren, wurden sie gepflückt. Abends wurde die Ju-gend bestellt und die Zwetschgen wurden gekernt. Die Kerne wurden aufgehoben und gesammelt. Damit wurde dann später im Ort zu einem Liebespärchen von einem Haus zum anderen (vom Mann zu seiner Freundin) ein "Päätchen" gestreut.

Dann wußte jeder im Dorf, "wer mit wem" angebandelt hatte. Die Bauern bauten auch Zuckerrüben an. Hiervon wurden einige sorg-fältig sauber gemacht und in einem Kessel mit Wasser weich gekocht. Anschließend wurden die Rüben dann herausgenommen und gekeltert. In den Zuckersaft kamen dann die gekernten Zwetschgen. Unter ständigem Rühren wurde der so entstehende "Quetsche-hoink" weitergekocht. Hierfür benötigte man ca. 10 - 12 Stunden. Anschließend wurde der fertige Honig in Steintöpfe gefüllt und im kalten Keller gelagert.

Brot backen

von Lydia Füllhas und Elli Umilenski

Im Frühjahr wurde von den Haushalten die im Backhaus backen wollten, im Wald von den gefällten Buchen das Reisig zu Back-wellen gebunden und mit den Fuhrwerken nach Hause gefahren und aufgestapelt. Auch wurden fix und fertige Backwellen, die von den Holzmachern im Winter hergestellt wurden, bei der Holzversteigerung mit verkauft. Eine Backwelle ist ein ca. 1,20 m langes um ein dickes Astholz gebundenes Reisigbündel. Eine Backwelle mußte mindestens 60 Pfund wiegen. In der Regel brauchte man vier Backwellen zum Heizen des Backofens. Wer morgens als Erster das Feuer machte benö-tigte zwei Backwellen mehr. Wer backen wollte, fand sich donnerstags beim "11-Uhr- Läuten" am Backhaus zum "Backesspielen" ein. Es wurde nun die Reihenfolge der Back-hausnutzung ausgelost. Der Bürgermeister brachte die "Lose" mit und führte die Verlo-sung durch. Jede Familie hatte ein Los mit vollständigem Namen (z. Bsp. Philipp Christian Schmidt Wwe.). 3 bis 5 Familien bildeten eine Rotte, die dann durch ein Los vertreten war. Als Lostrommel diente die Kappe des Bürgermeisters oder eine Frauenschürze. In der Reihenfolge der gezogenen Lose wurde dann gebacken. Innerhalb einer Rotte wur-de festgelegt, wer stopft und den Ofen mit einem kleinen Strohwisch anheizt. Die Frauen trugen oft drei Bleche auf einmal zum Backhaus, eins auf dem Kopf und zwei unter den Armen. Hatte der Ofen die notwendige Hitze erreicht, wurden die Kohlen mit der Kratze heraus gekratzt und der Ofen mit dem Ginsterwisch gesäubert. Mit dem Backschie-ßer wurden die Bleche nun in den Ofen ge-schoben. In der ersten Hitze wurden die Obstkuchen, dann die Streusel - Zuckerku-chen und Kringen gebacken. Jeder Rotte standen 2 Stunden Backzeit zu. Die Anback-rotte hatte allerdings etwas länger Zeit. An Samstagen wurde nur Kuchen, aber kein Brot gebacken. Vor den Feiertagen wurde oft schon um 5 Uhr morgens angebacken. Brot backen war eine sehr harte Arbeit. Die Zuta-ten für das Brot waren Sauerteig, Roggen-mehl, Wasser und Salz. Am Vorabend wurde die große Backmool (eine große Holzwanne) in der Küche aufgestellt, das Mehl durch ein Sieb hinzugegeben, der Hefeling mit Wasser angerührt und über Nacht gehen gelassen. Der Teig wurde von Hand steif geschlagen, geknetet, zu Brot geformt und anschließend in kleine, mit einem Leinenlappen ausgelegte Körbchen, die von Adam Seewald stammten, gelegt. Das Körbchenmaß entsprach einem 3 Pfundbrot. Nach 75 Minuten war das Brot gebacken, es wurde mit Hilfe der Backesbür-ste mit Wasser bestrichen. Wenn noch Teig übrig war, gab es einen "Backesplatz" mit Speck.

Im Herbst wurde im Backes das Dörrobst getrocknet und zur Weihnachtszeit die Plätzchen gebacken.

Über dem erwärmten Backofen übernachteten ab und an Handwerksburschen, die durch Laimbach zogen.

Waschtag

von Lydia Füllhas

Der Waschtag war für die Frauen immer ein sehr anstrengender Tag. Oft brauchten sie einen ganzen Tag, um die Wäsche zu waschen. Abends wurde die Wäsche mit "Henkel" eingeweicht. Am nächsten Morgen wurde im Waschkessel Feuer gemacht und erst die weiße Wäsche gekocht. Danach kam die Buntwäsche dran, zuletzt die Strümpfe. Im Krieg gab es nicht viel Waschpulver. Es wurde ebenfalls zugeteilt. Manche haben mit Kernseife und Buchenasche gewaschen. Die Wäsche wurde längst nicht so schön weiß wie heute. Mein Großvater hat noch selbst aus Knochen die Seife hergestellt. War die Wäsche gewaschen, wurde die weiße Wäsche auf die Wiese zum bleichen gelegt und ab und zu gegossen. Manchmal liefen auch die Gänse und Enten drüber und hinterließen ihre Spu-ren. Dann war die ganze Arbeit umsonst und es mußte alles nochmals gewaschen werden. Die Wäsche wurde über Nacht in Sil gesteckt und am anderen Tag ausgewaschen und aufgehängt. Viele hatten auch eine Ruppel, mit der die Wäsche geruppelt wurde. Ande

re hatten einen Stamper, mit dem die Wäsche gestampft wurde. Damit ging der Schmutz gut heraus. Viel später gab es dann die ersten kleinen Waschmaschinen. Dies war eine riesige Erleichterung für die Frauen.

 

Glojnische Deuwel

von Lydia Füllhas

 

Im Herbst wenn die "Dickwurz" ausgemacht wurden, haben die Kinder sich die schönsten ausgesucht, einen Deckel abgeschnitten und den Rest der Rübe mit einem Messer ausgehölt. Zwei Augen, Nase, Mund und Ohren wurden hinein geschnitten und die ausgehölte Rübe dann auf einen Besenstiel oder Bohnenstange aufgesteckt. In die Rübe hinein kam noch eine Kerze und schon war der "Glojnische Deuwel" fertig. Abends wenn es dunkel war, zogen dann die Jugendlichen durch das Dorf, gingen vor die erleuchteten Fenster, hielten ihre "Glojnischen Deuwel" hoch und machten geisterhafte Stimmen dabei. Die kleinen Kinder in den Häusern hinter den Fenstern bekamen dann meist Angst und fin-gen an zu heulen. Die großen Kinder und Jugendlichen mit ihrem "leuchtenden Geist" durften dann auch mal etwas länger draußen bleiben und später nach Hause kommen. Sonst mußten sie nämlich alle spätestens um 19.00 Uhr nach dem "Läuten" zu Hause sein. Wehe, wenn der Lehrer noch jemand nach 19.00 Uhr im Dorf auf der Straße e

rwischte. Dann gab es am nächsten Tag in der Schule ein "Donnerwetter." Die Eltern mußten sogar beim Lehrer sich die Erlaubnis holen, wenn Kinder bei der Ernte helfen sollten und sie deswegen abends später nach Hause kamen.

 

Hausschlachtung mit Wurstsuppe

von Irmgard Schubert

Bis zum Beginn der sechziger Jahre fütterten viele Laimbacher Familien ihre Schlacht-schweine selber. Die Ferkel wurden auf Viehmärkten, um die Pfingstzeit, meistens in Weilmünster gekauft und in den eigenen noch vorhandenen Viehställen aufgezogen. Die schlachtreifen Schweine sollten etwa drei Zentner wiegen. Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit begannen dann die ersten Haus-schlachtungen. Um das genaue Lebendgewicht des Schweines zu bestimmen wurde es zunächst zur öffentlichen Viehwaage gebracht (sie stand neben dem Dorfbrunnen in der Mitte des Dorfes - bei Füllhas).

Metzger Ernst Medenbach 1958 mit Gustav Mehl und Enkelin Gudrun Jaeger

 

Eine Hausschlachtung erforderte die Hilfe der gesamten Familie. Schon früh am Morgen wurde begonnen. Nachdem das Tier vom Metzger getötet war, wurde zunächst das Blut in einer Schüssel aufgefangen und in einem Emailleeimer geschlagen ("gekleppert") damit es nicht gerinnt. In einem großen Kessel war bereits kochendes Wasser vorbereitet, um das Schwein im Brenntrog zu reinigen. Die heiße Brühe wurde über das Schwein gegos-sen und die Borsten mit dem Schaber entfernt. Die Sau wurde dann an einer Leiter an den Hinterbeinen aufgehängt, so daß der Kopf nach unten hing. Vom Hausmetzger wurde das Tier nun aufgeschnitten und aus-genommen. Die Därme wurden gereinigt und in einem Sud aus Zwiebel und Wasser bis zum Gebrauch gelagert.

Während der Frühstückszeit hing das zerlegte Schwein an der Leiter im Hof um auszukühlen. Nachdem der Fleischbeschauer das Tier freigegeben hatte, wurde es weiter verarbeitet. Das Fleisch wurde für die verschiedenen Verwendungen, z. B. Wurst, Schinken, Kotelett usw. aufgeteilt. Die verschiedenen Wurstteige wurden hergestellt und die Wurst in Pelle - die vom Metzger gereinigten Därme des Tieres - oder in vorbereitete Dosen eingefüllt. Die Dosen wurde zunächst von "Scholze Schoster" (Adolf Mehl) und später von Albert Oberding mit einer von Hand angetriebenen Maschine "zugemacht".

Am Abend trafen sich alle Helfer. Oft wurden auch Freunde und Verwandte eingeladen. Am Küchentisch oder in der guten Stube gab es dann das Schlachtessen mit " Worschtsopp ".

Zu Beginn wurde "Worschtsopp" (Kesselbrühe, in der die Kochwurst - Blut-, Leberwurst und Preßkopp- gekocht wurden) gegessen. Oftmals wurden kleingeschnittene, alte Brötchenwürfel in die Suppe gegeben. Anschließend wurde Bauchfleisch/Wellfleisch mit Kartoffeln und Wirsinggemüse gereicht. Im dritten Gang wurde die frische Wurst pro-biert. Man aß zur Blutwurst (warm oder kalt), Leberwurst und Bratwurst, die fürs Schlachtessen ebenfalls im Kessel gekocht wurde, Brot und "Äppelstecker" oder Apfelmus. Den Abschluß bildete die Sauerbrüh. Zum guten Schluß wurde noch ein klarer Schnaps gereicht, den man auch über den Tag nach dem Abschmecken der Wurstteige brauchte.

Die frischen Würste wurden nach dem Abkühlen, ein bis zwei Tage in der Räucher-kammer, die sich meist unter dem Dach im Wohnhaus befand, geräuchert und so für die kommenden Wochen und Monate haltbar gemacht. Das Fleisch wurde in einem Zuber - Salzborn - eingelegt und gepökelt.

Bekannte und Nachbarn, die nicht am Schlachtessen teilgenommen hatten, bekamen am nächsten Tag in einer Milchkanne Wurst-suppe und ein Würstchen ( Blutwurst ) zum kosten.

 

Als Hausmetzger waren in Laimbach nach 1945 im wesentlichen tätig :

Luis Hardt , "Ernste Luis"( Essershausen )

Adolf Stroh ( Essershausen )

Ludwig Bernhardt ( Ernsthausen )

Fritz Pohl ( Bermbach )

Ernst Medenbach ( Möttau )

Willi Götz ( Altenkirchen )

Reinhard Zuth (Weinbach )

 

Sauerbrüh

( Rezept für ca. 10 Personen)

Rezepte  von Irmgard Schubert

Ein großer Topf wird mit Kesselbrühe ( ca. 5 Liter ) gefüllt

Folgende Zutaten werden beigegeben :

2-3 Brötchen

2-3 große Zwiebeln - klein geschnitten

½ Tasse Knoblauch

- gepreßt mit Knoblauchpresse

1 -2 Nelken

½ Muskatnuß

1 Lorbeerblätter

1 ½ Pfund Hackfleisch

2 Eier

Essig und Salz

 

Brötchen, Zwiebeln, Knoblauch, Nelken, und Muskat werden in die Kesselbrühe gegeben und langsam kochen lassen. Dann kommt das mit Wasser verrührte Hackfleisch dazu. Mit Essig und Salz je nach Bedarf abschmecken.

Zum Schluß werden die Eier dazugegeben, die Brühe darf dann allerdings nicht mehr kochen um das Gerinnen der Eier zu vermeiden.

 

Pinkes

 

Folgende Zutaten werden beigegeben :

 

2 Pfund Kartoffel

1 Zwiebel

1 Ei

1 Eßlöffel Mehl

Salz, Pfeffer

Die Kartoffeln und Zwiebeln werden gerieben und die anderen Zutaten dazugegeben und vermengt. Die Pfanne wird heiß werden lassen und das Öl hinzugegeben. Nun wird der Teig in die Pfanne gegen und unter ständigem umrühren gar werden lassen. Zum Schluß wird der Teig auf beiden Seiten etwas braun werden lassen.

Guten Appetit !

Alte Spiele

von Elli Umilenski und Irmgard Schubert

 

In unserer Kindheit durften die Kinder nach dem Nachtläuten, im Sommer 19 Uhr, im Winter 17 Uhr nicht mehr durch die Straßen ziehen. Der Lehrer, der um diese Zeit einen Spaziergang durchs Dorf machte, hat streng darüber gewacht um Ordnung zu halten. Doch in der Weihnachtszeit wurde dies alles nicht ganz so streng genommen. Wir Kinder nutzten dies gleich aus und gingen abends zum Nüsse spielen. Es versammelten sich einige Mädchen, die sich mochten in einem Elternhaus oder bei den Großeltern. Von zu Hause brachte jedes Nüsse mit, ob Wal- oder Haselnüsse, spielte keine Rolle. Wir setzten uns um einen Tisch. Wer mitspielen wollte, mußte 5 - 7 Nüsse einsetzen. Diese kamen in die Mitte des Tisches oder auf einen Teller. Nun wurde mit drei leeren Walnußhälften gewürfelt. Fiel die Nußhälfte auf die Schnittfläche hatte man gewonnen. Man konnte sich aus der Mitte die Anzahl der entsprechend gefallenen Würfel nehmen. Wenn man Pech hatte, konnte man an einem Abend alle mitgebrachten Nüsse verlieren

.An Nüssen hat es nicht gefehlt, da in Laimbach viele Nußbäume, besonders in "Schäferschgroawe" standen, die im Herbst zur Reife vom Bürgermeister meistbietend ver-steigert wurden.

Puppenstube spielten wir auf dem Bornberg. An den Wurzeln der Buchen richteten wir eine Puppenstube ein, deren Möbel aus Streichhölzern und Silberpapier hergerichtet wurden. Die Püppchen zauberten wir aus Mohnblumenköpfen. Von zu Hause nahmen wir Zucker, Milch, Brot und Eßbares aus dem Garten mit und im Wald sammelten wir Beeren.

Catuunspiel - ein Versteckspiel mit zwei Mannschaften die gegeneinander antraten. Als Spielgelände diente der gesamte Dorfbereich.

Klickerspiel - mit dem Absatz wurde ein Loch in den Boden gedreht, in welches die Klicker geworfen wurden. Mit dem Zeigefin-ger wurden dann die daneben liegenden Klikker ebenfalls ins Loch geschoben. Wer als Erster alle Klicker im Loch versenkt hatte, durfte die Klicker der Mitspieler behalten.

Holzkreisel (Tänzer) - An einem Stock wurde eine Wurstkordel befestigt und um den kegelförmigen Kreisel gewickelt. Mit dem Kordel wurde der auf der Spitze stehende Kreisel angezogen und mit dem Kordel zum Drehen gebracht.

Weitere beliebte Spiele waren: Schnitzeljagd, Seilhüpfen, Stelzen laufen, Butterstoßen, Fledermaus, Völkerball und im Winter Schlittenfahren.

Das Schlittenfahren fand meistens in der Lach und vom Wasserhochbehälter (Pfingstbornweg) aus statt. Der Schlitten wurde mit einer langen Stange (Bohnenstange) gelenkt. Im Grund konnten wir die Laimbach stauen und in den kalten Wintern sogar Schlittschu-he laufen.

 

Flurschütz

von Irmgard Schubert

Bis vor wenigen Jahren waren in unseren Dörfern im Auftrag der Gemeinde Feldschüt-ze (auch Flurschütze genannt) unterwegs, um die Einhaltung von Gesetzen und Regeln, die für Wald und Flur Gültigkeit hatten, zu über-wachen. So war es Gesetz, daß zwischen dem 1. April und 31. Oktober Wiesen und Wei-den nicht von Fremden Personen betreten werden durften. Die Einhaltung dieser Richt-linie wurde streng überwacht und bei Zuwi-derhandlung wurden entsprechende Strafen ausgesprochen. So hatte der Flurschütz die Aufgabe, daß in den Wiesen jeder seinen "Mahlgraben" aushob. Ein "Mahlgraben" war die Grenze zwischen zwei Wiesengrundstük-ken. Auch sollte er sonstige Flurschäden zur Anzeige bringen oder auch die Obstbäume in der Gemarkung vor Diebstahl der kostbaren Früchte schützen.

In "Schäferschgroawe" (eine tiefe Mulde unterhalb des Waldhofes - heute mit Erde verfüllt) stand eine Vielzahl von Obstbäumen, besonders in Erinnerung sind die großen Kirschbäume.

Ein großer Baum am Ende der Mulde trug halbdicke, dunkel bis schwarze Kirschen. Die Äste des Baumes hingen bis zum Boden, so daß wir Kinder gut an die Kirschen herankamen. Wir waren meist eine Gruppe von Mädchen, im Alter zwischen 6 und 7 Jahren, die oft zusammen spielten.

In den Sommermonaten zog es uns oft an der Schule vorbei, die sich noch im Bau befand, um die guten Kirschen zu probieren. Wir schauten erst rund, um sicher zu sein von niemand gesehen zu werden. In dieser Zeit war Albert Lenz Flurschütz, vor dem wir Kinder großen Respekt hatten. Waren wir unserer Sache sicher, verschwanden wir schnell im "Schäferschgroawe".

Kaum hatten die ersten ihre Arme nach den Kirschen ausgestreckt, andere waren noch im Begriff sich dem Baum zu nähern, als der gefürchtete Pfiff mit der Trillerpfeife des Flurschützen Albert Lenz unser Vorhaben auf der Stelle beendete. Wir nahmen Reißaus, liefen den Graben entlang durch den Grund und suchten Schutz bei "Lehne Gustav", des-sen Tochter Lydia ebenfalls mit von der Partie war. Wir krochen unter das Bett, welches in der Kammer neben der Küche stand. Lei-der hatte uns Albert Lenz mit seinem Fernglas erkannt und so mußten wir uns am näch-sten Tag bei ihm entschuldigen und hoch und heilig versprechen, daß wir nicht mehr an die Kirschen gehen würden.

Nach der Konsolidierung wurden die Obst-bäume entfernt und "Schäferschgroawe" ver-füllt.

Der Nachfolger von Flurschütz Albert Lenz war "Lehne Gustav ", Gustav Mehl.

 

Gemeindediener

 zusammengestellt von Kurt Heil

Der Gemeindediener hatte die Aufgabe, die Gemeindeakten zu den Gemeindevertretern oder Einwohnern zu bringen. Außerdem war er für die amtlichen Bekanntmachungen der Gemeinde zuständig. Wenn die Gemeinde etwas "bekannt zu machen" hatte, ging er im Dorf rund und schellte laut mit der Gemeindeglocke. Die Leute kamen aus den Häusern und hörten dem laut schreienden Mann zu. "Bekanntmachung ! Bekanntmachung !", rief dieser laut, bevor er die Neuigkeiten der Gemeinde von sich gab.

Gemeindediener war Heinrich Jung, der auch lange Jahre Totengräber war. Er wurde am 8. Mai 1958 für 40 Jahre Dienstzeit mit Geschenk und Urkunde bedacht. Seine Jahresvergütung betrug damals 173 DM.

 

Heimatbuch - Laimbacher Geschichten Teil 1