LAIMBACH IM TAUNUS

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Laimbacher Geschichten  ( Teil 1)

( Teil 2 )       

Fastnacht

von Lydia Füllhas

An den Fastnachtstagen maskierte sich die Jugend einzeln oder in Gruppen, oft waren sie so gut verkleidet, daß man die Maskierten nicht erkennen konnte. Mit viel Spaß und Freude zog man von Haus zu Haus. An den Haustüren wurde geklopft und um Wurst, Speck, Eier und auch Geld nachgefragt. Das Geld wurde brüderlich geteilt, aber alles andere wurde in die Pfanne gehauen, gebacken und gegessen. Manche Familien wollten uns auch n i c h t s geben. Einmal bekamen wir eine Wurst, als wir Sie aufschnitten, war sie mit Sägemehl gefüllt. Am Rosenmontag und Faschingsdienstag wurde im Gasthaus "Zum Grünen Baum" gefeiert. In den ersten Jahren des Fernsehens trafen sich interessierte Narren im Gastraum um gemeinsam die Rosenmontagszüge vom Rhein zu verfolgen.

Holzverkauf

von Lydia Füllhas

Im Frühjahr wurde im Wald das Holz versteigert, welches die Holzmacher, darunter auch Bauern aus dem Dorf, die im Winter im Holzwald mithalfen, geschlagen und gespalten hatten. Es wurde meistbietend versteigert. Wer am meisten geboten hat, dem wurde der Zuschlag erteilt. Der Bürgermeister hat einen Mindestbetrag angeschlagen und so wurde solange geboten, bis einer den Zuschlag bekam. Es wurden in der Regel zwischen 1m und 4m-Holz versteigert. 4-Raummeter Holz waren ein Klafter. Nachdem man das Holz ersteigert hatte, ging man in den Wald um es zu reißen (spalten). Mit der Axt wurde es angeschlagen und in den Riß dann ein Keil gesteckt. Auf den Keil wurde dann mit dem Vorschlaghammer oder Holzschlegel solange draufgeschlagen, bis das Holz gerissen und gespalten war. Danach wurde es im Wald aufgesetzt und blieb meist bis in den Sommer hinein sitzen. Wenn es in der Landwirtschaft etwas ruhiger war, z.B: zwischen Heuernte und Fruchternte, wurde es dann nach Hause gefahren.

Wer eine Kreissäge hatte, sägte es damit klein. Die anderen mußten warten, bis die "Holzschneidemaschine" (Traktor mit angehängter/angebauter Bandsäge) ins Dorf kam, um es klein zu schneiden. Danach wurde es trocken gelagert, um es dann im Winter zu verfeuern.

Holzmacher am 05.02.1949

 

v.l.n.r.: Otto Nickel, Michael Mürz, Wilhelm Lang, Gustav Mehl, Karl Cromm, Albert Cromm, Reinhold Schwab und Peter Nagy

Heckeweibsleut

von Elli Umilenski

Bereits um das Jahr 1920 gingen Frauen in den Wald um Pflanzen zu setzen. Besonders nach dem Krieg war es für die Frauen in Laimbach und den anderen Dörfern rundum notwendig sich etwas nebenbei zu verdienen. Man arbeitete im Pflanzengarten (Planzegoade) und im Wald. Die Aufgabe der "Heckeweibsleut" war es, im Frühjahr junge Bäumchen anzupflanzen. Mit Eimern in denen die jungen Pflanzen lagen und Hacke ging es hinaus in den Wald. Mit der Schnellsetzhacke wurde ein Loch ausgehoben, in welches die Pflanzen gesetzt wurden. Anschließend wurde der Boden festgetreten. In den Sommermonaten wurden die Bäumchen freigeschnitten, im Herbst wurden die Bäume gegen Wildbiß geteert.

Ein in unserer Nähe gelegener Pflanzengarten war an der Herzogstanne im Distrikt 15 nahe der Frankfurter Straße. Die Herzogtanne stand gegenüber dem Pfinstbornweg/Frankfurter Straße etwa 100 m gegenüber der ehemaligen Bushaltestelle im Wald. An der Tanne war ein Schild angebracht, welches von der Entdeckung Laimbachs und dem Hofnarren Lumpri berichtete. Auf dem ovalen Schild war außerdem der Herzog von Nassau mit einem Hirsch abgebildet. Anfang der 50ziger Jahre wurde diese Tanne leider von einem Blitz gefällt und das Schild ist seit dieser Zeit verschwunden.

Von uns Heckeweibsleut wurden in den Pflanzengärten die Samen der verschiedensten Baumarten ausgesät und die heranwachsenden Bäumchen bis zur Umpflanzung in einer Schonung gepflegt. Die neu angelegte Kultur (Schonung) wurde eingezäunt, um sie vor Wildbiß zu schützen. In offenen Kulturen wurde jede Pflanze mit Pfählen und Draht geschützt.

Ostern

von Lydia Füllhas

In der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag baute die Jugend "Ostergärten." Es wurde alles, was nicht "niet- und nagelfest" war und vor oder neben den Häusern stand oder lag, mitgenommen und irgendwo wieder aufgestellt. Da früher in fast jedem Haus noch Landwirtschaft betrieben wurde, stand in den Höfen allerlei "Material" zur Verfügung. Einige Bauern bewachten die ganze Nacht ihr Hab und Gut und waren am nächsten Morgen doch überrascht, wenn ihnen dies und jenes fehlte. Einmal stellten wir den bissigen Hund eines Bauern, mit Hilfe einer Dose Wurst, mitsamt seiner Hundehütte auf einen hohen Turm, den wir mit Wagen, Tisch, Egge und Leiter gebaut hatten. " Bei mir klaut niemand was, ich habe ja einen scharfen Hund auf dem Hof ", war sein Spruch, den er vor dem Osterfest verbreitete. Um so größer war sein Staunen, als er am nächsten Morgen seinen Hund mit Hundehütte suchte. Immer wieder haben einzelne Personen versucht "Ostergärten" zu vermeiden. Aber gerade hier war es für die Jugend

am interessantesten ein " Gärtchen " zu bauen. Das Einschalten der Polizei hatte im Laufe der Jahrzehnte keine Konsequenzen, da auch die Ordnungshüter mit dem Brauch der Ostergärten vertraut waren. Ab und zu wurde auf Wunsch des Betroffenen der Ostergarten "zurückgebaut", wenn er der Jugend einen Kasten Bier oder ähnliches spendierte. Der "Ostergartenbrauch" ist noch heute in Laimbach Tradition, so werden Hoftore, Mülltonnen, Blumenkästen, auch einmal eine Schubkarre oder eine Bank und anderes mehr auf dem Parkplatz in der Dorfmitte in der Osternacht "gesammelt". Laimbacher Neubürger sind zunächst irritiert über den "Diebstahl" ihres Eigentums, stellen sich aber für die kommenden Jahre auf diesen alten Brauch ein.

Ein weiterer alter Brauch fand an den Osterfeiertagen auf der "Osterwiese" statt. Bei schönem Wetter gingen die Familien mit ihren Kindern, die in Körbchen ihre Ostereier mitführten zur Osterwiese, die an der Bakkesgaß, heute Pfingstbornweg, gegenüber dem Wasserhochbehälter gelegen war. Die bunten Ostereier warfen sie solange in hohem Bogen durch die Luft, bis sie beim Aufprall auf der Wiese zerschellten. Manche Eier gingen und gingen nicht kaputt. Manche allerdings flogen schon beim ersten Wurf in tausend Fetzen auseinander, bei anderen war nur die Eischale gesprungen, so daß man diese Eier gleich auf der Wiese verzehren konnte. Dieses "Ostereierwerfen" an den Osterfeiertagen war für die Kinder und Erwachsenen ein besonderes Ereignis, man konnte den Eindruck gewinnen, ganz Laimbach ziehe in einer Art Völkerwanderung zum Eierwerfen.

Heute ist dieser Brauch des "Ostereierwerfens" mangels geeigneter Osterwiese fast ganz ausgestorben. Nur wenige Eltern sieht man heute noch mit ihren Kindern beim "Eierwerfern".

Pfingsten

von Lydia Füllhas

Wenn Pfingsten vor der Türe stand, gingen die Kinder schon Tage vorher auf den Pfingstplatz. Mit Besen, Rechen, Hacke und Schippe wurde der Pfingstplatz mitten im Wald am Pfingstborn sauber gemacht und her gerichtet. Moos wurde ausgerissen und außen auf den Sitzplätzen als Polster hingelegt. Mein Vater ging meistens Tage vorher schon in den Wald und holte "Maikraut" um eine wohlschmeckende "Maibohle" anzusetzen.

Die Maibohle wurde dann mit auf den Pfingstplatz genommen und getrunken. Wir Kinder haben Essigwasser mit Zucker, Maibowle oder Himbeersaft bekommen. In der Mitte des Pfingstplatzes stellten wir eine Birke auf und schmückten sie mit bunten Bändern. Eier wurden ausgeblasen, bunt bemalt und als Girlanden vor dem Eingang aufgehängt. Um den Pfingstbaum wurde Reigen getanzt, die Kinder führten oft ein Theaterstück auf oder machten lustige Spiele. Walter Oberding und Ernst Lang spielten auf der Ziehharmonika und begleiteten die Teilnehmer abends mit einen Zug durchs Dorf nach Hause. Über einige Zeit bestand in Laimbach auch ein "Orchester", welches bei besonderen Anlässen musizierte. Fritz Bender spielte Baßgeige, Heinrich und Otto Gath sowie Alfred Schmidt aus Ernsthausen die Geige.

Kirmes

von Lydia Füllhas

Zwischen "Heuernte und Fruchtabmachen", immer am letzter Sonntag im Juli, war in Laimbach Kirmes (Kirchweih). Mitten im Dorf im Gasthaus "Zum grünen Baum" bei Karl Eckhardt wurde im Hof ein Zelt aufgestellt indem die Kirmes gefeiert wurde. Den Tanzboden baute man über die "Mistkaut", die vorher ausgefahren wurde. Dann wurden Bohlen über die Grube gelegt und der Tanzboden war fertig. Rundherum wurde die Tanzfläche mit Reisig geschmückt. Freitagabends wurde der "Vortanz" versteigert und der "Kirmesbürgermeister" gewählt. Die Kirmesburschen hatten eine Büchse, in die das Geld von der Vortanzversteigerung kam. Es wurde ein Wecker auf eine bestimmt Zeit eingestellt. Wer zuletzt Kleingeld in die Büchse warf und der Wecker dann klingelte, der hatte den Vortanz gewonnen. Dafür wurde sich dann ein entsprechendes Mädel gesucht, mit der man dann am Sonntagnachmittag von den Kirmesburschen und der Kapelle zu Hause abgeholt und ins Kirmeszelt begleitet wurde. Anschließend mußte das Pärchen dann im Kreise der Kirmesburschen- und Mädchen unter den Klängen der Kapelle den "Vortanz" tanzen. Einmal im Jahr wurde die Kirmes drei Tage lang ausgiebig gefeiert.

Nach Fertigstellung der Volkshalle wurde die Kirmes hier gefeiert. In den Anfangsjahren wurde vor der Halle ein zusätzliches Zelt aufgebaut, daneben standen die Verkaufswagen. Die Wirtschaft wurden von den beiden Laimbacher Wirten (Füllhas und Nagy) im jährlichen Wechsel betrieben. Im Laufe der Jahre wurde die Kirmes dann nur noch an zwei Tagen gefeiert und fand ihren Ausklang mit dem sonntäglichen Frühschoppen. Schließlich fand einige Jahre mangels Interesse keine Kirmes mehr statt. Im Jahre 1998 fanden sich dann endlich wieder einige Laimbacher Jugendliche zusammen und gründeten eine Kirmesgesellschaft.

In eindrucksvoller Weise wurde die jahrelang ruhende Kirmes wieder ausgegraben. Ein Burschenschaftsabend am Freitag, am Samstag Tanz und ein Frühschoppen am Sonntagmorgen bis in die Abendstunden hinein, geben uns die Hoffnung, auf das Fortbestehen einer alten Tradition.

Laimbacher "Freibad"

von Irmgard Schubert

Im Sommer 1933 sind wir Laimbacher Mädchen und Buben, wie so oft in den Sommermonaten an die Weil, um im "Laimbacher Freibad" zu baden.

Es ging über Weileberg, den Bergmannspfad entlang runter in die Paffenau. Früher stand an der Straße zwischen Ernsthausen und Es-sershausen, an der Stelle macht die Weil einen Richtungswechsel um 90o, ein Transfor-matorenhaus, welches in den frühen 80er Jahren von der EAM abgerissen wurde. Hinter dem Haus verlief die Weil, die an dieser Stelle etwa 50 - 100 cm tief war. Zum Teil waren wir mit Fahrradschläuchen ausgerüstet, die als Schwimmreifen dienten. Wer keinen Reifen hatte, behalf sich mit Blechdosen mit Deckel als Schwimmhilfe. An diese Stelle sind in jener Zeit auch die Schulkinder mit ihrem Lehrer gewandert um in der Weil zu baden.

Als wir an diesem Tag dort ankamen waren wieder einmal die "Haare" (Zigeuner), die hier oft ihr Lager einrichteten, in "unserem Revier". Sie hatten ihren Wagen in einem Seitenweg zur Weilstraße in Richtung Essershausen abgestellt. Einige der älteren Jungen fingen an, die Zigeuner zu ärgern. Eine der Haarefrauen hatte zwischenzeitlich ihr Kleid ausgezogen, was uns zu "Nacktfrosch im Hemde, was tust du in der Fremde !" Rufen herausforderte. Die Männer wurden über unser Verhalten ärgerlich und kamen auf uns zu, so daß wir Kleineren schnell die Flucht ergriffen. Wir Kleineren hatten große Angst. Auch die Älteren hatten sich auf die Flucht begeben, da die Zigeuner sie in Richtung Laimbach verfolgten. An diesem Nachmittag fiel der Badespaß für uns alle aus.

In den Jahren vor und nach dem Krieg fanden sich oft am "Neuen Weg", unterhalb des Steinbruches wieder Zigeuner mit ihren Wa-gen ein. Sie blieben hier einige Tage und zogen von dort mit ihren Waren - Kämmen, Haushaltsgegenstände, Schnürsenkeln und Decken - nach Laimbach und in die Nachbarorte, um sie zu verkaufen. Wenn es im Dorf hieß "die Haare komme" wurde bei vielen Häusern schnell die Wäsche von der Leine genommen und die Türen, die eigentlich im-mer unverschlossen waren, zugeschlossen. Die Kinder, die auf den Straßen spielten, versteckten sich, um nicht von den Zigeunern "mitgenommen" zu werden.

Heuernte

von Lydia Füllhas

Im Grund durfte im Sommer kein Heu gemacht werden, bevor es nicht vom Gemeindediener im Auftrag der Gemeinde ausgeschellt, d. h. bekannt gemacht wurde. Danach fuhren die Bauern mit Kühen und Pferden in den Grund und mähten das Gras. Der ganze Grund wimmelte nur so von Leuten. Es war harte Arbeit in der Sommerhitze mit der Sense zu mähen und jeden Tag das Gras zu "wenden". Danach wurde das getrocknete Heu in Reihen zusammengerecht, aufgeladen und nach Hause gefahren, wo es in der Scheune untergebracht wurde. Wir Kinder mußten viel mithelfen und manchmal schon vor der Schule auf der Wiese das Heu "zirren". Die Größeren von uns mußten auch schon mit der Sense mähen helfen. Im Jahre 1958 ging zur Zeit der Heuernte ein großer Wolkenbruch über Laimbach nieder, der zu einer großen Überschwemmung im Dorf führte. Er kam so überraschend, daß man nicht mehr nach Hause laufen konnte. Das Holz schwamm der Backesgaß hinunter und füllte den ganzen Grund zu einem See. Bei Lehwalders Hof, der mitten im Dorf gelegen war, schwammen die Ferkel und Hühner im Wasser und viele Tiere sind ersoffen.

 

Fruchternte

von Lydia Füllhas

 

Im Hochsommer, wenn die Körner der Frucht hart und damit reif waren, wurde sie gemäht. Das Korn wurde zuerst gemäht. Mit dem Reff (Sense mit Bügel) wurde per Hand der Ackerrand gemäht um die Grenzen zum Nachbaracker einzuhalten. Alles andere wurde mit dem Kuh- oder Pferdegespann gemäht. Standen keine Maschinen zur Verfügung, wurde das ganze Feld mit dem Reff gemäht oder man mußte sich mähen lassen. Die Frauen nahmen mit der Sichel die Frucht ab. Die Kinder mußten Witten (ein aus Halmen geflochtener Strick) herrichten. Die Frucht wur-de darauf gelegt und gebunden, es entstanden die Garben. Die Garben wurden zu Haufen aufgestellt. Ein Haufen (Hausten) bestand aus 8 Garben. Der Hausten wurde mit einem Hut (Garbe, die umgekehrt aufgesetzt wurde) geschützt. Die Kinder haben sich dann oft in den Hausten versteckt. Später kamen dann die "Binder" und noch später die Mähdrescher, die diese schwere Arbeit wesentlich erleichterten. Wenn die Frucht trocken war, wurde sie bei schönem Wetter nach

Hause gefahren und in die Scheune gesetzt. Die Garben wurden mit der Gabel auf den Wagen geworfen und einer mußte sie auf dem Wagen schön aufsetzen.

Dies mußte auch verstanden sein, denn bei den schlechten Feldwegen ist es oft passiert, daß man viele Garben verlor und dann zu Hause angekommen nicht mehr viel auf dem Wagen hatte. Hagelschlag oder Wolkenbruch konnten eine Ernte total vernichten, deswegen wurde bei gutem Wetter oft bis spät abends gearbeitet, um die kostbare Ernte vor Unwettern einzufahren. Im Herbst wurde die Frucht dann gedroschen. Die Dreschmaschine kam ins Dorf und fuhr von Hof zu Hof oder stand auf dem Dreschplatz (heute Haus Jaeger - früher zwischen Haus Kaiser und Weinbrenner auf der Backesgaß). Nachbarn und Freunde halfen beim Dreschen. Sie mußten die schweren Leinensäcke mit der Frucht auf engen Treppen auf den Speicher tragen. Dort stand dann meistens eine Flasche Schnaps, aus der öfters mal zwischendurch ein Schluck genommen wurde. Danach fühlten sie sich dann wieder stärker.

Im Sommer traf man sich dann öfters abends nach der schweren Arbeit in der Dorfmitte bei "Kaisers Haus" . Hier wurde viel erzählt, gelacht und Lieder gesungen, bis spät in die Nacht hinein. Wenn man auch noch so müde war, aber das ließen wir uns nicht nehmen.

 

Kindheitserinnerungen vom Dreschen

von Minna Schnabel

In der Zeit als es noch keine Elektrizität im Dorf gab und Maschinen damit angetrieben werden konnten, stand in jedem Bauernhof der ungefähr 25 bis 30 Morgen Land bewirtschaftete ein Göbel. Der Göbel war auf einer großen Betonplatte montiert, daran war eine schwere Eichenholzdeichsel befestigt, die von einem Pferd gezogen wurde, welches immer im Kreis herum gehen mußte. Durch eine Transmission, die unter dem Göbel angebracht war, wurde die Dreschmaschine in Betrieb gesetzt. Mit Grauen denke ich noch an die Zeit zurück als ich 9 Jahre alt war, wenn im November das Dreschen begann. Dann mußte ich immer das Pferd antreiben, immer im Kreis herum, auf dem nassen Trampelpfad bei meinem Großvater in Kolb´s Hof. Der hatte ein Kriegspferd von 1918, einen schweren Fuchs, der mit einem Vorderfuß immer von hinten auftrat, weil er angeblich einen Granatsplitter in dem Huf haben sollte. Wenn der Fuchs mal seinen Trott ein bißchen langsam machte und ich ihm nicht mit der Peitsche eins auswischen wol

lte, dann schrie mein Großvater mit hochgerecktem Arm laut : "Auf Fuchs". Gleich lief die Dreschmaschine schneller und das Garben einstopfen konnte dann auch zügiger vorangehen.

Hinten in der Scheune stand meine Großmutter mit der Dienstmagd und beide banden das Stroh auf.

Wer kein Pferdebauer war, mußte sich mit der Leierdreschmaschine abquälen. Und noch früher wurde mit Dreschflegel im Klipp-Klapp-Takt die Frucht ausgedroschen.

1920 als die Elektrizität ins Dorf kam, war es eine Selbstverständlichkeit, daß auch ein Elektromotor angeschafft wurde, der die schwere Arbeit vom Pferd übernahm. Einige Jahre später fuhr dann die Firma Friedrich Dietzel aus Weilmünster mit der Dreschmaschine im Lohndreschen von Hof zu Hof.

Heute ist der Mähdrescher in jedem landwirt-schaftlichen Betrieb nicht mehr wegzudenken.

Hochzeit

von Lydia Füllhas

Wenn jemand Hochzeit hatte, wurden meist die Zimmer ausgeräumt, um darin zu feiern. Wenn das Brautpaar zur Kirche fuhr, haben die Kinder quer über die Straße ein Seil ge-spannt. Das Brautpaar und alle anderen Fahr-zeuge mußten dann anhalten und die Kinder ließen das Seil erst locker, wenn Geld oder Süßigkeiten herausgeworfen wurden. Viele Paare sind auch mit einer Pferdekutsche in die Kirche gefahren. Cromms Otto hatte eine entsprechende Kutsche dafür. Im Winter spannte er den Schlitten an. Er hatte zwei schöne Pferde. Diese wurden für die Hoch-zeitsfahrt festlich geschmückt. Abends sang die Jugend dem Brautpaar dann einige Lieder: "Mir gefällt das Ehestandsleben", "Die Uhr schlägt jede Stunde" oder "Schön ist die Jugend." Dafür bekamen die jungen Leute etwas Geld, wofür dann gemeinsam etwas getrunken wurde.

Säuwaad

von Lydia Füllhas

Im Dorf war eine Schweinehirtin. Sie hieß Hanne Jung und war eine große, starke Frau. Sie wog fast 3 Zentner. Bevor die Schweine täglich auf die Weide getrieben wurden, blies sie in ein Horn, das sie bei sich trug. Dann wußte jeder im Dorf, daß man die Schweine aus dem Stall lassen sollte. Hanne Jung ging dann durch das Dorf und sammelte die Schweine ein, um sie auf die Säu-Weide (Säu-Waad - oberhalb des Wasserhochbehälters / Pfingstbornweg) etwas außerhalb des Dorfes zu treiben. Die Kinder liefen oft mit und freuten sich dabei.

Abends wurden die Schweine dann wieder nach Hause getrieben, wobei sie ganz von alleine wieder in ihren heimischen Stall fanden. Die Leute ließen einfach die Stalltüre auf und sie liefen meist von selbst hinein. Die Hanne bekam für ihre Arbeit nur einen kleinen Lohn. An Ostern gingen ihre Kinder dafür in die Häuser und holten sich ihren Osterhasen ab. Wenn in einem Haus ein Schwein geschlachtet wurde, bekam sie Wurstsuppe, Sauer-Brüh, Fleisch und Wurst nach Hause gebracht.

 

Laimbacher Geschichten ( Teil2 )