LAIMBACH IM TAUNUS

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Laimbach 1933 - 1945

 

1933 hatte Laimbach 45 Haushalte und war landwirtschaftlich geprägt. Die meisten Männer gingen auf die Grube oder übten ein Handwerk aus.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am 30. Januar1933 änderte sich einiges in den Dörfern des Oberlahnkreises. Bei den Wahlen am 12. März 1933 ( letzte freie Wahl ) hatten, wie schon bei den vorausgegangen Wahlen die Nationalsozialisten keine Mehrheit für sich erringen können. Bürgermeister Julius Stroh hatte mit der SPD die Mehrheit errungen. Am 1. April 1933 wurde die Wahl mit 12 Stimmen für gültig erklärt.

Am 4. April berichtete das Weilburger Tageblatt unter der Überschrift "Es wird weiter gesäubert", daß weitere vier Bürgermeister im Oberlahnkreis abgesetzt worden seien. Die Aktion sei von Kreisleiter Georg geleitet worden, unterstützt von 25 Mann bewaffneter SA.

Zwischen dem 1. April und 5. April wurde auch der Laimbacher Bürgermeister Julius Stroh gewaltsam abgesetzt und das Amt an August Löw übertragen. Die Aktion mit Räumung des Amtszimmers wurde von einem SA-Mann geleitet, er wurde von mehreren bewaffneten SA Leuten, die mit einem LKW gekommen waren, unterstützt. Dabei kam es zu Tätlichkeiten. Das Bürgermeisteramt bei August Löw wurde die ganze Nacht von der SA bewacht. Erst im Juli 1933 wurde das Amtstelefon von Julius Stroh zu August Löw verlegt.

Vor einer Gemeindeverordnetensitzung am 5. April 1933 unter August Löw als kommissarischer Bürgermeister wurden Gustav Mehl und August Hauzel auf der Schultreppe - die Sitzung fand in der Schule statt - von der SS verhaftet und nach Weilburg ins Gefängnis verbracht, aus dem sie nach 2 Tagen wieder entlassen wurden. Am 9. Juli 1933 wurde allen Gemeindebesoldeten 15% des Gehaltes gekürzt und dem Wegewärter gekündigt. In der Folge fanden Hausdurchsuchungen durch SA und Polizei statt, so auch bei dem SPD Vorsitzenden Friedrich Schmidt. Friedrich Bender wurde von der SA festgenommen und unterwegs wieder freigelassen.

Am 28. Oktober wurde August Löw zum Bürgermeister gewählt. Regiert wurde Laimbach von nun an bis 1945 von:

Ortsgruppenleiter Albert Kolb ( aus Bermbach )

Bürgermeister August Löw

Stützpunktleiter Otto Cromm II

Ortsbauernführer Friedrich Gelbert

SA-Führer Hermann Krombach

Ebenfalls am 28. Oktober 1933 wurde durch den Ortsgruppenleiter Albert Kolb aus Bermbach das Ortsgericht neu besetzt. Für Julius Stroh und Otto Cromm I amtierten fortan August Löw und Albert Lenz.

Am 30. Dezember 1935 wurde auf Antrag der Ortsbauernschaft beschlossen, den Wald in der Bornheck zu roden, um hier Grünland anzulegen.

Der Haushalt 1935/36 war mit 15.171 RM ausgeglichen, das Bürgermeistergehalt betrug 340 RM, für das Dienstzimmer wurden zusätzlich 60 RM gezahlt. Der Gemeinderechner erhielt 225 RM und für das Dienstzimmer 60 RM.

Für 1937 weist der Etat die Anschaffung einer Schreibmaschine aus.

Die Hebesätze betrugen in Laimbach 1938 :

Grundsteuer A 140% ; Grundsteuer B 110% und die Gewerbesteuer 65%.

Die Besteuerung von Rundfunkempfangsanlagen in Gaststätten wurde mit 5 RM jährlich besteuert.

Am 1. September 1939 wurde Förster Rehberger, der seit 1936 in Laimbach tätig war, eingezogen. Ihn vertrat Förster Hartenfels aus Philippstein. Am 21. Januar 1940 wurde das neu gerodete Land in der Bornheck verkauft und die alte Schule in der Dorfmitte an die Eheleute Otto und Hermine Lehwalder veräußert, obwohl kein Gebäude für die Glocke und die Feuerspritze vorhanden war, so daß Glocke und Feuerspritze weiterhin an ihrem alten Platz bleiben mußten. Erst mit der Errichtung des Dorfgemeinschaftshauses (Volkshalle) diese beide hier ihren neue Platz.

 

Seit 1938 mußten die Mädchen nach der Schule ein Landjahr oder Pflichtjahr leisten. Die ersten aus Laimbach waren Helga Ott (bei Otto Cromm) und Elli Schmidt ( bei Verwandten in Bermbach ). Das Pflichtjahr konnte auch innnerhalb des Reichsarbeitsdienstes geleistet werden. Zum Reichsarbeitsdienst eingezogen wurden Tilly Maurer, Hildegard Eppstein und Lina Gelbert.

 

Zeugnis von Helga Ott über die Ableistung des Hauswirtschaftlichen Jahres

 

In den Kriegsjahren 1943 - 1945, als die deutschen Städte bombardiert wurden, mußten die Gemeinden auf dem Land sogenannte "Ausgebombte" aufnehmen, dies führte zu mancherlei Schwierigkeiten. So wurde Friedrich Bender nach einer Schlägerei mit Otto Cromm II für zwei Wochen eingesperrt. Durch die Fürsprache von Minna Schnabel kam er wieder frei.

Zu den Vorkommnissen in jener Zeit folgt hier ein Dokument aus dem Jahre 1940.

 Betr. Amtsträgerbeleidigung

 Vorgang : Die RLB-Amtsträger W. Koch und A. Seewald befanden sich am 3. September auf Streife durch das Dorf. Vg. G. Mehl fragte auf der Straße zwei Frauen, wer dann die Zwaa da ewe gewest wern.

Ihm wurde zur Antwort gegeben, es wären der Lehrer und A. Seewald gewesen. Auf seine Frage, was die wollten, wurde ihm zur Aufklärung gegeben, sie gingen wegen der Verdunklung herum.

 Darauf Vg. Mehl ( annäherend wörtlich)

De-i sollte nur mal bei meich komme, da keme se grad an de Richtige!

De-i kenne ihr Aweit bei Dag schaffe, de-i brauche kaa Verdunkelung.

De-i zwa Schleachte, de-i sollt mer besaache von owwe bis unne !

Bemerkung : besaache = vollurinieren

 Zeugen: 1. Frau Anna Seewald   2. Frau Wilhelmine Horn

 Laimbach, den 4. Sept. 1940

 Zwischenzeitlich wurde in Frohndienst, zu dem auch die Laimbacher Bergleute verpflichtet wurden, ein Bunker gebaut. Hinter dem Haus Kolb beginnend, wurde im Halbkreis ein Stollen in den Berg gegraben. Der zweite Ausgang war gegenüber der Scheune von Otto Cromm II (heute Faust). Der Aushub wurde von Laimbacher Fuhrleuten abgefahren. Zunächst wurde der Aushub mit Schubkarren herausgefahren, später wurden Rollwagen und Preßlufthämmer eingesetzt. Bei Tieffliegeralarm fand der Schulunterricht vor dem Bunkereingang statt. Anfang der sechziger Jahre wurde der Bunker verfüllt. Im März 1944 gingen im Bereich Bornhecke ca. 20 Bomben nieder, glücklicherweise der einzige Bombenangriff der Laimbach zum Ziel hatte. Am 20. März 1944 wurde dem Ortsdiener Heinrich Jung von Bürgermeister Löw gekündigt. Dies war gleichzeitig die letzte Eintragung von Bürgermeister August Löw.

Am 28. Mai 1945 wurden von den Militärmachthabern Julius Stroh, Adolf Mehl und Hermann Oberding als Kommissare für Laimbach eingesetzt. Zu Beginn des nächsten Jahres am 31. Januar 1946 fanden die ersten freien Wahlen für die Gemeindegremien nach dem Kriege statt.

Laimbach wird Ortsteil von Weilmünster